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Bikinifigur

Jetzt haben wir Ostern also gluecklich abgehakt und marschieren geradewegs auf den Sommer zu.

Was mich in einige Verlegenheit stürzt, weil der Genuss von circa dreihundert Ostereiern, plus gefüllte Sahnetorten, plus diverse Festgelage in Verbindung mit verschiedenen alkoholischen Getränken, die alle sehr lecker waren, aber auch ziemlich reichhaltig, meine fastenzeitlich bedingte Bikinifigur ganz schön arg gebeutelt hat. Bikinifiguren, um das noch mal für alle festzuhalten, sind solche, die schlank und rank aussehen, bei denen sich kein Speckring unartig über den Bikinirand wölbt und man nicht aus kosmetischen Gründen am Strand sitzen muss, als hätte man einen Besenstiel verschluckt - ständig überstreckt, damit sich das verräterische Bäuchlein nicht in unanständige Falten legen kann. Bikinifiguren braucht man, um Selbstbewusstsein und Wohlbefinden auf einem hohen Wert zu stabilisieren und in Familie und Beruf seine Frau zu stehen. Solches kann man in jeder beliebigen Frauenzeitschrift nachlesen und die schreiben nur, was stimmt, weswegen man es glauben muss. Deswegen werden in den nächsten Wochen auch wieder hordenweise Frauen in alle möglichen Gesundheitsläden einfallen, um dort zu kaufen, was man für die neuste, beste und erfolgreichste Schlankheitskur aller Zeiten so braucht. Das werden sie dann zubereiten und sich einreden, dass das traurige Grünfutter auf ihrem Teller lecker und verführerisch ist und überhaupt genau das, was sie jetzt brauchen. Im Prinzip ist das ein sehr drolliges Verhalten, weil wir alle wissen, dass Diäten nur ganz selten und in hartnäckigen Fällen von Erfolg gekrönt sind und die kurzfristigen Schlankheitserfolge sich meist bis zum Sommerurlaub wieder verbraucht haben. In diesem Sinne werde ich jetzt ein Stück Sahnetorte frühstücken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Das Wetter draußen nämlich ist viel zu schön zum Hungern.

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